Was ist HIP HOP?
von Uli Hintermayer
Die Erfindung des Wortes „Hip Hop“ wird in den 70er Jahren DJ Hollywood und Lovebug Starsky, den ersten bekannten Rappern, zugeschrieben.
Wir in Europa denken bei Hip Hop an Musikvideos mit Rappern und Tanzeinlagen. In Amerika, dem Ursprungsland, LEBEN die Menschen den Hip Hop jedoch. Somit bezeichnet er eine Subkultur, die gerade mal 40 Jahre alt ist und durch ihre Lebendigkeit ständig Veränderungen und Entwicklungen durchmacht. In manchen europäischen Ländern gibt es auch Hip Hop Kulturen, diese jedoch sind auch nur ein Abbild dessen was uns die Afroamerikaner immer wieder neu vor Augen führen.
Die Hip Hop Kultur besteht aus 4 Komponenten gezählt werden: Rap, Djing, Breakdance und Grafitti, begonnen hat alles allerdings mit der Pantomime.
Bereits in den 60er Jahren wurde diese durch Filme wie „Chitti Chitti bang bang“ (Roboterszene von Dick van Dyke) bekannt. Durch solche Szenen inspiriert, begann Anfang der 70er Jahre ein junger AfroAmerikaner namens Don Campell neue Tanzschritte zu kreieren.
Er gründete seine erste Tanzgruppe „the lockers“, welche diverse Funkmoves wie „STOP AND GO“, „WICH A WAYS“ etc.. tanzten.
LOCKIN ist auch heute noch ein wichtiger Bestandteil einer guten Hip Hop Choreographie.
Es zählen dazu Basisschritte wie: LOCK, POINTS, FUNKY CHICKEN, SKEETER RABBIT und BUSSTOP.
Von den Tanzschritten der Lockers angetan, erfand Sam Solomon (welcher später Boogaloo Sam genannt wurde) den „Boogaloo“ oder auch „Boog Style“. Der Name dieses Tanzstiles kommt von dem alten James Brown Song „Do the Boogaloo“. Dieser Stil beinhaltet das Rollen der Hüfte, der Knie und des Kopfes in verbundenen flüssigen Bewegungen.
Ebenfalls durch Boogaloo Sam bekannt geworden ist das „POPPIN“, welches zum Nachahmen von Robotern entwickelt wurde, es besteht aus durchdrücken, biegen, beugen, flexen, stoppen und erstarren der Muskeln zum Beat.
1977 verbanden die „Elektric Boogaloos“ (gegründet von Boogaloo Sam und Poppin Pete) den Boog Style mit Popping, und kreierten somit ihren eigenen „Elektric Boogaloo Style“.
Die Elektric Boogaloos, durch diverse Fernsehauftritte bekannt, animierten viele Tänzer ihre eigenen Stile herauszufinden.
Einige daraus entstandenen Stile sind:
air posing animation boogaloo bopping centipede crazy legs
cobra dime stopping filmore floating/gliding hitting popping
puppet robot saccin scarecrow snaking spiderman
sticking strobing strutting ticking tutting waving
Durch Kool Herc, ein DJ aus New York, bekamen Tänzer erstmals die Chance ihr Können zu zeigen, durch die von ihm entwickelten verlängerten Tanzpassagen in der Musik.
Auf den bekannten Blockpartys in New York kamen diese sog. Breaks auf, die Tänzer werden Breaker, Breaking Boy (kurz B-Boy) oder Breaking Girl kurz (B-Girl) genannt, und dieses Breaken - der Breakdance - auch B-boying genannt.
Durch die Art der Medienpräsentation verbindet man mit dem Begriff Breakdance vor allem die akrobatischen Elemente, wobei jedoch poppin’, lockin’ und boogaloo ebenso zum B-Boying zählen.
Im Breakdance entwickelten sich neben den oben erwähnten Grundelementen noch die Powermoves (akrobatischen Elemente). Dies sind Drehungen auf allen denkbaren Körperpartien die beliebig miteinander kombiniert werden können.
Als Vorbild für diese Moves dienten Kung Fu Filme und brasilianische Capoeira Tänzer genauso wie Boden- u. Geräteturnen und Zirkusakrobatik.
Auch die Styles, die sich durch „Footmarks“ (Schritte) und „Freezes“ (in einer Bewegung erstarren) auszeichnen, wurden von diesen Vorbildern abgeleitet.
Was ein echter Breaker leistet wird jedoch erst durch die einzelnen Moves sichtbar. Einige der spektakulärsten Powermoves sind:
- den „Headspin“, der wie der Name bereits sagt auf dem Kopf gedreht wird
- den „Backspin“, dieser wird auf dem Rücken gedreht
- die „Tracks“, die auch am Kopf gedreht werden, jedoch nicht wie der Headspin in 90° vom Boden sondern lediglich 45° und mit den Händen muss man sich immer erneut vom Boden wegdrücken
- „Swipes“ – man steht auf Händen und Beinen, Rücken Richtung Boden und springt um seine Körperachse. Das Bein holt Schwung, berührt den Boden aber nicht.
- „Ninety Nine“ – im Handstand auf einer Hand und man dreht sich um die eigene Achse
- „Ellbowspin“ – wie „Ninety Nine“ jedoch am Ellbogen gedreht
- „Handglide“ – Tänzer dreht liegender Weise auf einer Hand, den Ellbogen seitlich des Bauches abgestützt
- „Windmills“ – liegende Drehung um die eigene Achse, die geöffneten Beine berühren nicht den Boden – gedreht wird auf Schultern und oberen Rücken
- „Flare“ – die gespreizten Beine umkreisen den sich auf den Händen haltenden Tänzer in geschwungener Weise
- „Freezes“ sind Posen die der Tänzer einnimmt um eine Abfolge von Tanzschritten abzuschließen und dabei eine möglichst eindrucksvoll aussehende Figur zu machen!
- Crazy Legs/Chair oder auch den Baby Freeze fallen unter den Begriff normale Freezes
- Airfreezes bei denen der Tänzer meist auf einer Hand steht und Posen mit den Beinen macht. Oft wird ein Bein mit der freien Hand festgehalten.
Die bis jetzt erwähnten Tanzstile des Hip Hop werden auch als OLD SCHOOL HIP HOP bezeichnet.Erst in den 90er Jahren löste der New School bzw. New Style Hip Hop den Old School ab.
Der Hip Hop wurde härter und aggressivere neue Stile wie krumping, harlem snake, c-walk und freaking entwickelten sich.
Mit „Tommy the Clown“, welcher als Hip Hop tanzender Clown in Los Angeles auf Partys auftrat, bekam der Hip Hop ein neues Gesicht. Da es ihm als ehemals verurteiltem Drogendealer durch seine Konzentration auf den Hip Hopgelang, ein neues Leben zu beginnen, wurde er für viele Jugendliche zum Vorbild. Durch seine Clowncrew (ein Team aus Clowntänzern) konnte er sogar einige von ihnen „von der Straße holen“ und das „CLOWNING“ war geboren.
Anfang 2000 spalteten sich einige Tänzer aus Tommys Crew ab und erfanden das „KRUMPEN“. Ohne Gesichtsbemalung ist der Krump ein sehr schneller, aggressiver Freestyle Tanz der hauptsächlich aus Stomps (aufstampfen), Chestpops (Brust blitzartig hochschnellen lassen) und Armswings (Armschwüngen) besteht. Die Krumper selbst tanzen keine Show, sondern sich selbst in einen tranceähnlichen Zustand. Darum findet man lediglich Krump-Elemente in Musikvideos in einer abgeschwächten, Videoclip-tauglichen Form.
Heute wird gerade im europäischen Raum Hip Hop mit verschiedensten anderen Tanzstilen vermischt um immer wieder andere Effekte zu erzielen. Choreographen und Tänzer haben dadurch große Freiheit für persönliche Interpretationen. Oft wird Hip Hop mit Jazz vermischt, um ihn Mainstream-tauglich zu machen. Der Boom von Hip Hop Tanzkursen nimmt zu, und unter dem Begriff „Videoclipdancing“ werden den Fans die „neuesten“ Schritte ihrer Stars beigebracht. Das jeweilige Können kann bei Staats-, Europa- und Weltmeisterschaften gemessen werden.
Filme zum Thema:
- clowning und krumping „RIZE“
- Breakdance/poppin’/lockin’/Djing “BREAKDANCE GANG”
- New Style Hip Hop “STREET STYLE”
- Hip Hop Heute “SAVE THE LAST DANCE”, “HONEY”, “STEP UP”
- In Kombination mit Gesellschaftstanz „DANCE“
- In Kombination mit Ballett “SAVE THE LAST DANCE”
- In Kombination mit Jazz “STEP UP”
- über Rap “8 MILE”
- weitere Filme “FLASHDANCE”, “WILD STYLE”
Bücher zum Thema:
- Is this real? Die Kultur des HipHop
- American Rap. Hip Hop und Identität
- Hip Hop. Globale Kultur – lokale Praktiken
Quellen:
http://de.wikipedia.org
http://www.fws-ma.de/projekte/hip_hop/ (19.04.2007)
http://www.breakstylers.com
http://www.mikesmoves.com
http://www.electricboogaloos.com
http://www.mrwigglesonline.com
http://www.3sat.de/nano/cstuecke/51986/dvd.pdf (19.04.2007)
